Weitere Informationen

Falluntersuchung zur Ressourcenproduktivitätt von E-Commerce

Die Studie ist eine Materialie neben weiteren Studien und Materialien zum TA-Projekt "E-Commerce" beim Büro für Technikfolgenabschätzung im Auftrag des Deutschen Bundestages. Im Mittelpunkt steht die Frage nach den Auswirkungen des E-Commerce auf die Ressourcenproduktivität. Hierzu wurden verschiedene Fallstudien in Großunternehmen der Elektronikindustrie und der Automobilbranche durchgeführt, die zum Ziel hatten, den Einfluss von E-Commerce auf Beschaffungsmengen, Fehlerquoten, Lagermengen, Überschussproduktion und Logistik zu ermitteln. Die Analyse verschiedener Fallbeispiele liefert einen ersten empirischen Eindruck von der Ressourcenproduktivität durch E-Commerce. Eine eindeutige Zuordnung bestimmter Effekte zu E-Commerce-Anwendungen ist zwar nicht immer möglich, weil verschiedene Einflussfaktoren sich überlagern. Vorher- und Nachher-Betrachtungen fehlen in den Unternehmen weitgehend oder sind allenfalls auf einzelne Projekte beschränkt. Dennoch lassen sich einige Wirkungszusammenhänge deutlich aufzeigen:

Die Fallstudien lassen positive Effekte auf die Ressourcenproduktivität durch E-Commerce in Beschaffung und Vertrieb erkennen. So konnten die Lagerbestände durch kürzere und zuverlässigere Planungszyklen in der Beschaffung bis zu 25% verringert werden. Mit dem schnelleren Lagerumschlag reduziert sich nicht nur die benötigte Lagerfläche, sondern auch die Gefahr technologischer Überalterung von Lagerbeständen, was in der IKT-Branche aufgrund der hohen Innovationsgeschwindigkeit und den kurzen Produktlebenszyklen im Markt von erheblicher Bedeutung ist. Kurz- und mittelfristig erscheint in den einzelnen Bereichen eine Erhöhung der Ressourcenproduktivität um bis zu 5 Prozent möglich, langfristig könnten in einzelnen Branchen auch höhere Potenziale realistisch sein.
Auch wenn die meisten der in der Industrie diskutierten Entwicklungslinien im E-Commerce (insbesondere in der Automobilindustrie) zunächst nur Optionen sind, deren Einlösung noch offen ist, und die Erschließbarkeit der Potenziale verschieden eingeschätzt wird, bestehen doch erhebliche Chancen, die identifizierten Umweltentlastungseffekte künftig stärker zum Tragen kommen zu lassen, als dies heute der Fall ist. Es sind zwar keine "Quantensprünge" bei der Dematerialisierung zu erwarten, gleichwohl bestehen beachtenswerte Potenziale zur Erhöhung der Ressourcenproduktivität durch die Integration von E-Commerce in ein elektronisch gestütztes Supply Chain Management, die sich inkremental erschließen lassen.
Elektronisches Supply Chain Management führt nicht zwangsläufig zu einem höheren Verkehrsaufkommen. Vielmehr bestehen hier Chancen und Gefahren. Durch E-Commerce lässt sich Verkehr vermeiden oder auf weniger ressourcenintensive Verkehrsträger verlagern. Durch kürzere Beschaffungs- und Vertriebszeiten besteht andererseits die Gefahr, dass der Lieferverkehr zunimmt.
Positive oder negative Umwelteffekte sind in den untersuchten Unternehmensbeispielen eine bisher nicht oder kaum beachtete und zufällige Nebenwirkung bei Einführung von E-Commerce und E-Business-Lösungen. Ein diesbezügliches Umweltmonitoring fehlt bisher weitgehend und sollte in Zukunft als Teil des betrieblichen Umweltmanagements und Umweltcontrollings aufgebaut werden.
Während sich Optimierungen organisatorischer Abläufe und technische Effizienzsteigerungen sich bisher "im Selbstlauf" durchsetzen, können über den Trend hinausgehende Dematerialisierungspotenziale nur durch eine aktive Gestaltung erschlossen werden. Dabei bedarf es keiner neuen umweltpolitischen Instrumente. Vielmehr sind herkömmliche Instrumente des Umweltschutzes im Kontext des E-Commerce zu diskutieren. Dies gilt insbesondere für den Verkehrsbereich, wo E-Commerce ambivalent wirkt. Hier hängt es entscheidend von der Gestaltung der Rahmenbedingungen ab, ob eine Reduktion erfolgt oder aber zusätzlicher Verkehr erzeugt wird. Ein weiteres Aufgabenfeld für die Politik ist hier in der Forschungsförderung zu sehen. Derzeit fehlt es an geeigneten Instrumenten, die die Integration ökologischer Aspekte in das Management elektronischer Wertschöpfungsketten erlauben und an Pilotvorhaben, die erfolgreiche Managementinstrumente hierzu demonstrieren. Vorgeschlagen wird daher, verschiedene Unternehmen bei der Einführung von E-Commerce-Lösungen wissenschaftlich begleiten zu lassen und Längsschnittsanalysen durchzuführen, die auf eine Verknüpfung des Umwelt- und Stoffstrommanagements mit E-Commerce und E-Business abzielen.

  • Behrendt, Siegfried; Würtenberger, Felix und Fichter, Klaus (2003): Falluntersuchung zur Ressourcenproduktivitätt von E-Commerce. WerkstattBericht Nr. 52. Berlin: IZT – Institut für Zukunftsstudien und Technologiebewertung. Download (455.5 KB)