Weitere Informationen
Zur Organisation von Verantwortung im Dialog von Wissenschaft und Politik
Wissenschaft und Technologie sind in alle Lebensbereiche eingedrungen und haben diese nachhaltig verändert. Mehr noch, die durch die Wissenschaft erzeugte künstliche Evolution überwuchert systematisch die natürliche und lässt ihr durch die unvergleichlich viel höhere Beschleunigung kaum noch einen Raum. Vor diesem Hintergrund stehen sowohl die Wissenschaft, in besonderer Weise die Natur- und Ingenieurwissenschaften, als auch die Gesellschaft gleichermaßen vor der großen Herausforderung, die Folgen dieser mächtigen Triebkräfte in verantwortbare Bahnen zu lenken. Denn es darf nicht nur darum gehen, die Wirkungen erster Ordnung, also die schnell verwertbaren Chancen und Produkte von Wissenschaft zu nutzen, sondern auch die Folgen zweiter und höherer Ordnung zu bedenken und zu beherrschen.
So lange die Macht der Ökonomie, also vor allem des Marktes, und die Organisation der Wissenschaft so beschaffen sind, wie sie sind, gehört zum Verhältnis von Wissenschaft und Gesellschaft das Thema ‚Verantwortung und Demokratisierung in der Wissenschaft und für die Folgen von Wissenschaft’ ganz oben auf die politische Agenda.
Wie kann Wissenschaft und wie können Gesellschaft und Politik der großen Verantwortung gerecht werden, die mit den vernetzten Folgen von Wissenschaft und Technik im Prozess der Produktion und Verwertung wissenschaftlicher Innovationen verbunden sind? Wie muss das Verhältnis von Wissenschaft und Gesellschaft gestaltet werden, dass wissenschaftliches Fortschreiten nicht zu einem Unheil, sondern zu einem humanen Fortschritt im Sinne einer nachhaltig zukunftsfähigen Entwicklung und Verbesserung der Lebensqualität der Menschen wird? Hierzu folgen einige Thesen und Prinzipien, deren Beachtung der Autor für unverzichtbar hält.
Abschließend folgen Beispiele, die exemplarisch für die Bereiche Wissenschaft und Technik sowie Wissenschaftsförderung und Staat stehen und Ansätze und neue Formen skizzieren:
Entwicklung eines neuen Fortschrittsparadigmas
Folgenfrüherkennung im Wissenschaftsprozess
Neugestaltung der Wissenschaftsförderung
Qualifizierung für einen neuen Fortschritts-Dialog
Organisation staatlicher Verantwortung.
Im Fazit werden neben diesen positiven Beispielen institutionalisierter Dialoge von Wissenschaft und Gesellschaft einige Defizite benannt, die dringend einer Regelung bedürfen:
Die Kapazitäten für Wissenschafts- und Technikfolgenabschätzung sind aufzustocken;
Eine regelmäßige Wissenschafts- und Technologieberichterstattung ist vonnöten;
Auf Bundes- und Länderebene sollten regelmäßige öffentliche Anhörungen über neue Entwicklungen in Wissenschaft und Technik und über mögliche Folgen stattfinden;
Der Schutz vor wissenschaftlichen und technischen Folgen sollte durch ein Schutzrecht vor wissenschaftlichem und technischem Risikowahn ergänzt werden.
-
Kreibich, Rolf (2004): Zur Organisation von Verantwortung im Dialog von Wissenschaft und Politik. ArbeitsBericht Nr. 1. Berlin: IZT – Institut für Zukunftsstudien und Technologiebewertung.
Download (131.2 KB)





