Die Idee

Gesellschaft und Wirtschaft, Staat und Individuen brauchen für zukunftsfähige Entscheidungen langfristiges Orientierungs- und Handlungswissen. Antriebskräfte in unserer heutigen Welt sind in erster Linie wissenschaftliches Wissen, technische, soziale und kulturelle Innovationen. Die Zukunftsforschung und Zukunftsgestaltung sind in besonderer Weise herausgefordert, mögliche und wünschbare Zukunftsperspektiven für eine Nachhaltige Entwicklung und die Verbesserung der Lebensqualität für alle Menschen aufzuzeigen und umzusetzen. Nachhaltige Entwicklung zielt auf eine Welt sozialer, wirtschaftlicher und ökologischer Gerechtigkeit und kultureller Vielfalt sowohl zwischen den heute lebenden Menschen als auch zwischen den Generationen. Es geht um die Suche nach neuen Antworten auf globale Wirtschafts- und Umweltprobleme, soziale Disparitäten, technische Herausforderungen, ökologische und soziale Risiken und kulturelle Verwerfungen vor allem zwischen den Ländern der Ersten und der Dritten Welt und im Hinblick auf das zukünftige Leben der Kinder und der nachfolgenden Generationen.

Eine nachhaltige Entwicklung ist in hohem Maße auf soziale Phantasie und kreative Innovationen angewiesen: Um gute Ideen zu fördern und weiter zu verbreiten, vergibt das IZT - Institut für Zukunftsstudien und Technologiebewertung einen Zukunftspreis zu relevanten Themen der Zukunftsforschung und Zukunftsgestaltung. Die Themen beziehen sich auf globale Herausforderungen und langfristig zukunftsfähige Entwicklungen, neue Wohlstands- und Lebensqualitätsmodelle, innovative Schlüsseltechnologien und ökonomische Wandlungsprozesse, neue demokratische Formen der politisch-administrativen Steuerung sowie auf die Entfaltung neuer Lebensformen und Lebensstile. 

Der Preis wurde erstmals 2004 anlässlich des 65. Geburtstages von Prof. Dr. Rolf Kreibich ausgeschrieben und wird alle zwei Jahre verliehen. Jede Ausschreibung widmet sich einem zentralen Thema der Zukunftsforschung. Der Zukunftspreis ist mit 3.000 EURO dotiert. 

Die Jury 

Die Bewertung und Auswahl der eingereichen Zukunftsprojekte nimmt eine unabhängige Jury wahr. Mitglieder der Jury sind:

  • Prof. Dr. Dr. h.c. Udo E. Simonis (Vorsitzender), Wissenschaftszentrum Berlin
  • Ulla Burchardt, Mitglied des Deutschen Bundestages, Vorsitzende des Ausschusses für Bildung, Forschung und Technikfolgenabschätzung
  • Alva Gehrmann, Redakteurin der Kinderzeitschrift GEOLINO
  • Dr. Lenelis Kruse-Graumann, Professorin für Psychologie u. Mitglied des Vorstands der Deutschen UNESCO- Kommission
  • Dr. Jörg Tremmel, Vorsitzender der Stiftung für die Rechte zukünftiger Generationen, SRzG
  • Lee Hielscher, Landesschulvertreter Berlin
  • Dr. Jürgen Thiesbonenkamp, Vorstandsvorsitzender Kindernothilfe e.V.

IZT - Zukunftspreis 2008 „Zukunft der Kinder: Konzepte, Projekte und Initiativen für, mit und von Kindern“

Es gibt sie zwar weniger, aber sie sind noch immer da: Kinder. Sie und ihre Zukunft sind das Thema des diesjährigen Zukunftspreises. Sie sind in erster Linie unser aller Zukunft.

Das Statistische Bundesamt stellt fest: Derzeit gibt es in Deutschland nur noch 16,5 Millionen Kinder und Jugendliche unter 20 Jahren. Die Erwachsenen bekommen immer weniger Babies. Im Jahr 2030 wird es – hält der Trend zur kinderlosen und Ein-Kind-Familie an – in Deutschland ein Viertel weniger Kinder und Jugendliche geben als heute: die Zahl der jungen Menschen unter 20 Jahren wird dann auf 12,7 Millionen gesunken sein. 

Diese Trends signalisieren eine gravierende Verarmung unserer Gesellschaft, denn um die Zukunft zu sichern brauchen wir Kinder. Wir brauchen auch ihre Phantasie, ihre Fragen und ihren Entdeckungssinn. Deshalb sollten wir Bedingungen schaffen, die es den Menschen leichter machen, wieder mehr Kinder zu haben. Wir brauchen aber auch ein soziales Klima, ein Bewußtsein und ein familiäres Umfeld, um ein Zusammenleben mit Kindern als etwas Wunderbares und Glückbringendes erleben zu können. 

Kinder sind nicht nur Gegenwart, sondern auch Zukunft. Wenn wir ihre und unsere Zukunft sichern wollen, dann müssen wir Kindern und ihrem Recht auf eine lebenswerte Zukunft einen hohen Stellenwert in unserem Gemeinwesen einräumen. Dazu gehört, ihnen Möglichkeiten zu verschaffen, ihre und unsere Welt und ihre und unsere Zukunft mitzugestalten. Das IZT möchte mit dem Zukunftspreis 2008 dazu einen Beitrag leisten, indem es Konzepte, Projekte, Netzwerke oder Initiativen prämiert, die in diesem Sinne konzipiert sind und wirken. Wir brauchen gute Beispiele dafür, wie Kinder ihre Zukunft mitgestalten und ihre Zukunftswünsche realisieren helfen. Wir brauchen Vorbilder und Modelle, wie echte Möglichkeiten zum Mitreden, zum Mitbestimmen und Mitmachen von Kindern praktisch gefördert werden. Wir suchen deshalb konkrete Beispiele, wie ihr Recht auf eine lebenswerte Zukunft garantiert und ihre Bildung und ihre Fähigkeiten hierfür besonders gefördert werden können. 

Erwünscht sind Beiträge zu mindestens einem der folgenden Themenfelder:

  • eine intakte Umwelt erhalten und wieder herstellen
  • mit Spaß lernen und bilden
  • Orientierung und soziale Kompetenz vermitteln
  • für Kinder öffentliche Räume schaffen und erobern
  • die Werte Gerechtigkeit und Solidarität fördern
  • Kinderarmut und soziale Ächtung überwinden helfen
  • Kinder und ältere Menschen in kreativen Gemeinschaften zusammenführen
  • gemeinsame Verantwortung von jung und alt für unsere eine Welt fördern.

 
Auswahlkriterien

Die eingereichten „Konzepte, Projekte und Initiativen für, mit und von Kindern“ sollen über die bisherigen Denk- und Handlungsansätze für eine kinderfreundliche Gesellschaft möglichst hinausgehen. Bei der Bewertung der Wettbewerbsbeiträge wird die Jury insbesondere die folgenden Kriterien berücksichtigen:

  • Problembezug und Neuigkeit des Konzepts
  • Originalität und Kreativität des Ansatzes
  • Relevanz der bisherigen und möglicher zukünftiger Ergebnisse
  • Verständlichkeit und Prägnanz des Ansatzes, der Umsetzung und Darstellung
  • Ergebnisse, Realisierbarkeit und Nutzen des Konzepts.

Der Wettbewerb ist offen für alle einschlägigen Konzepte, Projekte und Initiativen. Erfolge von bereits laufenden oder abgeschlossenen Arbeiten sollten zum Stichtag der Einsendung nicht länger als ein Jahr veröffentlicht sein. 

Die Preisträger des IZT-Zukunftspreises 2008

Die diesjährige Ausschreibung des IZT-Zukunftspreises stieß auf überaus große Resonanz. Mehr als 100 hochkarätige Einsendungen von Projekten, Initiativen und Netzwerken aus Österreich, Schweiz und Deutschland sind bei uns eingetroffen. Wir sind sehr glücklich, dass der IZT-Zukunftspreis 2008 zum Thema „Zukunft der Kinder“ ein so großes Echo gefunden hat. Dies zeigt doch in erster Linie, dass es viele engagierte Menschen, Gruppen, Organisationen und Institutionen gibt, die sich dem wohl wichtigsten Zukunftsproblem unserer Gesellschaft widmen – und das überwiegend in herausragender Weise.

Am 29. Oktober 2008 hat die unabhängige Jury unter dem Vorsitz von Prof. em. Dr. Dr. h.c. Udo E. Simonis getagt und die Preisträger ermittelt.

Wegen der vielen sehr guten Bewerbungen und einer breiten Palette unterschiedlicher Probleme und Themen, die von den Einsendern angepackt wurden, hat sich die Jury in diesem Jahr für die Vergabe von drei Zukunftspreisen und drei Perspektivpreisen entschieden.

Der IZT-Zukunftspreis 2008 wird zu gleichen Teilen an die folgenden drei Projekten verliehen:

  • „Grundschule im Grünen - Umweltbildung für nachhaltige Entwicklung“, eingereicht von der Grundschule im Grünen und Malchower Grashüpfer e.V. (Tobias Barthl)
  • „Patenschaften für Kinder psychisch erkrankter Eltern“, eingereicht von AMSOC e.V. (Katja Beeck)
  • "Stadt der Kinder 2008", eingereicht von Bürgerhaus am Schlaatz gGmbH (Barbara Rehbehn)

Dem Projekt „Grundschule im Grünen“ wird der Zukunftspreis 2008 deshalb verliehen, weil es in hervorragender Weise die Umwelt und das soziale Umfeld der Schule und der Schüler in der Bildung zu integrieren und dafür eine breite Beteiligung von Lehrkräften, Eltern, ehemaligen Schülern und Partnern der Schule zu mobilisieren in der Lage ist. Das Projekt führt auf diese Weise Kinder – aber nicht nur Kinder - an Nachhaltige Entwicklung heran, es stärkt Eigeninitiative, Selbstverantwortung und Selbstorganisation. Darüber hinaus fördert es die Kinder das Wohnumfeld sowie die Umwelt und die Natur aufmerksamer wahrzunehmen.

Die Einsendung „Patenschaften für Kinder psychisch erkrankter Eltern“ erhält den Zukunftspreis aufgrund ihres neuartigen Ansatzes, Kinder psychisch erkrankter Eltern über die Vermittlung stabiler Bezugspersonen zu unterstützen. Das Projekt weist zu recht auf die in der öffentlichen Wahrnehmung kaum beleuchtete gesundheitliche Gefährdung dieser Kinder hin. Die Initiatorin (AMSOC e.V.) zeigt hier nicht nur ein großartiges Engagement, sondern auch eine besondere Sensibilität für die emotionalen Bedürfnisse dieser Kinder.

„Stadt der Kinder 2008“ erhält den Zukunftspreis 2008 für die gut gelungene Verwirklichung des integrativen Ansatzes zur Förderung nachhaltiger Verhaltensweisen. Es werden nicht nur soziale Defizite ausgeglichen, sondern das Projekt stärkt durch die Errichtung einer kleinen Stadt aus Holz die Eigeninitiative und Selbstverantwortung der Kinder. Die Tatsache, dass das Projekt im sozial schwächeren Viertel durchgeführt wird trägt an der Stärkung des Selbstwertgefühls der Kinder auch ausländischer Herkunft bei.

 
Der IZT-Perspektiv-Preis geht an:

  • „MIXED UP. Kulturelle Bildung in der Schule“, eingereicht  von Kinderstraße e.V. (Wolfgang Schlenker)
  • „Hoffnung für Bulgariens vergessene Kinder“, eingereicht vom Verein zur Förderung Bulgarischer Kinderheime e.V. (Mirko Schwanitz)
  • „Zukunfts-Diplom für Kinder“, eingereicht vom Lokalen Agenda 21 Trier e.V. (Charlotte Kleinwächter)

Das Projekt „MIXED UP. Kulturelle Bildung in der Schule“ wird deshalb ausgezeichnet, weil es unter direkter Beteiligung von Kindern vermag, aus der Perspektive der Kinder kommunikative, kulturelle, pädagogische und soziale Elemente ihres Lebens zu verbinden. Die Jury hebt hervor, dass durch die Nutzung der gemeinsamen Internetplattform es den Kindern ermöglicht wird, sich gegenseitig, über die Landesgrenzen hinweg, über ihre Wohnorte zu informieren und ihre Gemeinsamkeiten zu entdecken. Damit ist die Absicht verknüpft, dass alles besser werden soll.

Die Jury lobt die unter schwierigen Bedingungen erbrachten außergewöhnlichen Leistungen und den Einsatz des Vereins zur Förderung Bulgarischer Kinderheime e.V. Insbesondere der integrative Charakter des Projektes, das sich neben der Errichtung von Kinderheimen auch mit anderen Initiativen um die Zukunft und die psychische Gesundheit der Kinder (insbesondere auch aus Sinti- und Roma-Familien) bemüht und so versucht eine breite Wirksamkeit zu erreichen, verdient hohe Anerkennung. Hervorzuheben sind auch die ökologische Bauweise der Kinderheime und die Bemühungen um nachhaltige Zukunftsperspektive im Rahmen der Projekte und Initiative.

Beim Projekt Zukunfts-Diplom für Kinder“ sind es vor allem die Reichweite und Breite der Zukunftsorientierung, die große Zahl der Kinder, die mit dem Projekt erreicht werden und die Vielfalt des außerschulischen Veranstaltungsangebots, die die Jury vom Projekt überzeugt haben.

 

 

Hier können Sie die Ausschreibung als PDF-Datei herunterladen:

Langfassung

Kurzfassung

 



Die Preisverleihung findet am 18. November 2008, 16.00 bis 18.00 Uhr mit einem anschließenden Empfang von ca. 18 bis 20 Uhr für die Preisträger und Teilnehmer im Musikinstrumenten-Museum (neben der Philharmonie) in Berlin statt.

 

Rückfragen bitte an Herrn Sie Liong Thio:

Kontakt: E-Mail: s.thio@izt.de oder Tel.: 030-803088-33;

bitte senden Sie Ihre Unterlagen an: 

 

IZT – Institut für Zukunftsstudien und Technologiebewertung 

Stichwort: Zukunftspreis 2008 

Schopenhauerstr. 26 

D-14129 Berlin