News |25. Februar 2020

Europäische Bahnen bereiten Glyphosat-Ausstieg technisch vor

Der Internationale Eisenbahnverband UIC publizierte gemeinsam mit dem IZT eine "Zukunftsstrategie zur Vegetationskontrolle". Die Unkrautbekämpfung auf den Gleiskörpern soll künftig ökologischer gestaltet und technische Alternativen zu Glyphosat vorangetrieben werden.

© ÖBB-Infrastruktur AG

Die Europäischen Bahnen schlagen in dem vierseitigen Strategiepapier zahlreiche Handlungsmöglichkeiten vor, um die Unkrautbekämpfung auf den Gleiskörpern ökologischer zu gestalten. Denn derzeit ist es bei den meisten europäischen Bahnen üblich, Spezialzüge auf die Gleise zu schicken, die das chemische Herbizid Glyphosat direkt auf den Gleiskörper sprühen. Die Europäischen Bahnen formulieren in ihrem Papier eine Übergangsstrategie: Sie wollen verstärkt neue effiziente Methoden der Unkrautbekämpfung entwickeln und auch einsetzen, um das derzeit kostengünstigste und effizienteste Mittel – das ökologisch bedenkliche Glyphosat – überflüssig zu machen.

Im Auftrag des UIC forscht das IZT – Institut für Zukunftsstudien und Technologiebewertung (Berlin) seit 2017 zu Alternativen zur bisherigen "Vegetationskontrolle"  mit Glyphosat. Im Projekt TRISTRAM (2019-2020) testen und optimieren Wissenschaftler_innen vielversprechende chemisch-Herbizid-freie Methoden. In der engeren Auswahl stehen organische Säuren, wie die Pelargonsäure sowie die "electro-weeding"-Methode aus der biologischen Landwirtschaft, bei der elektrische Felder die Pflanzen abtöten. Ebenfalls getestet werden Heißwasser- oder Dampfstrahlen, die den gleichen Zweck erfüllen sollen. Teilweise werden diese Methoden bereits heute von ökologischen Vorreitern unter den Europäischen Bahnen genutzt. Leider sind die alternativen, chemisch-Herbizid-freien Methoden momentan noch nicht ausgereift genug, um in großem Ausmaß auf den Gleiskörpern angewandt zu werden. Die Europäischen Eisenbahnen wollen gemäß der "UIC Strategy on the Future of Vegetation Control" jedoch den umweltfreundlicheren Methoden stärker zum Durchbruch verhelfen, indem sie diese teilweise explizit in ihren neuen Ausschreibungen nachfragen. Es geht den Europäischen Bahnen dabei nicht darum, die Glyphosat-Anwendung durch eine einzige neue alternative Methode zu ersetzen, sondern darum, ein integriertes Vegetationsmanagement einzuführen, welches verschiedene alternative Methoden umfasst und je nach Gegebenheiten jeweils die optimale Methode oder Mischung zum Einsatz bringt.

Die Bahnen sind in Europa beim Thema "Glyphosat-Ausstieg" der Pioniersektor: Es gibt eine Expertengruppe, gemeinsame Forschungsprojekte und auch Vorreiterunternehmen. Gleichzeitig verbrauchen die europäischen Bahnen nur 0,5 Prozent des insgesamt in Europa eingesetzten Glyphosats. Mit Abstand ist hier die Landwirtschaft der Sektor mit dem höchsten Verbrauch. Allerdings tauchen die Bahnen häufig in nationalen Glyphosat-Statistiken – so auch in Deutschland – als größter nationaler Einzelverbraucher auf. Dieser "Spitzenplatz" verzerrt jedoch das Gesamtbild, das eindeutig von landwirtschaftlichen Betrieben dominiert wird.

Zum Download der UIC-Zukunftsstrategie zur Vegetationskontrolle:
uic.org/IMG/pdf/uic_strategy_on_the_future_of_vegetation_control.pdf

Bisherige Forschungsergebnisse:
Auf alternative Methoden zu Glyphosat geht die „Herbie“-Studie näher ein, die das IZT -Institut für Zukunftsstudien und Technologiebewertung 2017/2018 für den UIC erarbeitet hat:
uic.org/IMG/pdf/herbie_project_2.pdf

Die Nachfolgestudie TRISTRAM soll Anfang 2021 fertig sein:
www.izt.de/projekte/view/project/herbie2/

Mehr zur Bahnforschung am IZT finden Sie beim wissenschaftlichen Leiter dieses Bereichs:
www.izt.de/institut/team/view/user/nolte/


KONTAKT:
Barbara Debus
IZT – Institut für Zukunftsstudien und Technologiebewertung
Presse- und Öffentlichkeitsarbeit
b.debus(at)izt.de
030-803088-45
01578-5643510

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