Algorithmen und digitale Medien

Suchmaschinen, soziale Netzwerke und Onlinemedien gehören zum Alltag vieler Menschen, die im Internet nach Informationen suchen. Häufig werden diese digitalen Medien über Algorithmen gesteuert, deren genaue Funktionsweise den Nutzenden nicht bekannt ist. Beispielsweise richtet sich das Ergebnis einer Google-Anfrage oder der Facebook-Newsfeed-Algorithmus nach den individuellen Nutzungsdaten, die die betreffenden Internetunternehmen zuvor von den Usern erhoben haben. Es besteht die Möglichkeit, dass personalisierte, algorithmische Mechanismen die Meinungsbildung beeinflussen oder sogar manipulieren. Auch traditionelle Medienhäuser stützen sich zunehmend auf Algorithmen. Ziel der Studie ist es, den Einfluss von Algorithmen auf die Meinungsbildung zu untersuchen. Eine Online-Umfrage unter Stakeholdern, eine Repräsentativbefragung sowie Befragungen von Erstwählerinnen und Erstwählern ergänzen die Untersuchung.
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Algorithmen in digitalen Medien und ihr Einfluss auf die Meinungsbildung
2017 - 2019
Deutscher Bundestag/Büro für Technikfolgenabschätzung beim Deutschen Bundestages (TAB)

Beschreibung

Befragungsergebnisse:
Die Kurzbroschüre mit den Ergebnisse der repräsentativen Onlinebefragung "Wie bewerten junge Menschen personalisierte Onlinemedien?" wurde im September 2018 im Deutschen Bundestag vorgestellt. Die Befragung selbst ist Baustein des TAB-Projektes "Algorithmen in digitalen Medien". Mit dieser Broschüre wird die neue Reihe TAB-Sensor gestartet. Sie steht zum Download bereit.

Weitere Informationen zum Projekt:
Eine wichtige Quelle politischer Informationen und Grundlage für die Meinungsbildung sind Onlinemedien, über die sich in den letzten Jahren immer mehr Menschen zu wichtigen gesellschaftlichen Themen informieren. Dabei sind auch Suchmaschinen von Bedeutung, die wie Internetportale und soziale Netzwerke heute fester Bestandteil der alltäglichen Mediennutzung vieler Menschen sind.

Die Funktionsweise digitaler Medien wird durch Algorithmen bestimmt. Algorithmen entscheiden beispielsweise, welche Webseiten für eine Suchanfrage als relevant angesehen werden und in welcher Reihenfolge die Ergebnisse präsentiert werden. Sie legen auf der Grundlage von Mediennutzungsdaten fest, welche Aus-wahl von Meldungen (und Werbung) ein Nutzer wann angezeigt bekommt. Auf diese Weise können sie die Meinungsbildung beeinflussen.

Doch nicht nur die sozialen Medien, auch die traditionelle Medienberichterstattung wird zunehmend durch Algorithmen geprägt. Journalisten - wie auch weitere Akteure, die zur Meinungsbildung beitragen - werden bei Kernaufgaben wie Recherchieren, Gewichtung und Auswahl von Informationen, Produktion und Distribution von Beiträgen etc. durch Algorithmen unterstützt. Noch sind maschinelle Nachrichten auf Bereiche beschränkt, zu denen standardisierte Daten (z. B. Sporttabellen, Unternehmensberichte) vorliegen. Aber vor dem Hintergrund der rasanten Entwicklung lernender Algorithmen ist mit einer Ausweitung auf andere Bereiche zu rechnen.

Der Einsatz von Algorithmen dient auch dazu, die Präferenzen der Rezipienten zu erkunden: So zeigen die Washington Post oder das US-Nachrichtenportal Upworthy Testpersonen vor der Veröffentlichung unterschiedliche Versionen eines Beitrags. Eine Software ermittelt daraufhin, welche Kombination von Titelei, Bildern und Textbausteinen von der Leserschaft am besten akzeptiert wird.

Es ist davon auszugehen, dass Algorithmen eine zunehmend wichtige Rolle für die Meinungsbildung spielen. Auf der einen Seite ermöglicht ihr Einsatz den Medienkonsumenten einen gegenüber vordigitalen Medien erheblich leichteren Zugriff auf ein breites Spektrum an Informationen und (auch politischen) Stellungnahmen. Auf der anderen Seite besteht die Gefahr, dass die Meinungsbildung durch häufig nicht klar erkennbare algorithmische Mechanismen (z. B. den Facebook-Newsfeed-Algorithmus bzw. das Suchmaschinenranking) beeinflusst oder sogar manipuliert wird.

Das Wirkungsgefüge von Algorithmen und digitalen Medien ist in den vergangenen Jahren zunächst in Fachkreisen, zunehmend aber auch in den Massenmedien in den Fokus der Aufmerksamkeit geraten. Dabei werden u. a. folgende Fragen diskutiert: Welche Inhalte bekommen Facebooknutzende zu sehen, welche Ergebnislisten werden bei der Googlesuche eingeblendet? Wie nutzen Medienanbieter die neuen Möglichkeiten beispielsweise zur Priorisierung und Erstellung von Medienberichten? Welche Bedeutung haben algorithmisch unterstützte Medienangebote für die Meinungsbildung bzw. die Herstellung von (politischer) Öffentlichkeit? Wirken sich Falschmeldungen, Hasskommentare oder "Filterblasen" auf demokratische Entscheidungen aus?

Gleichwohl stellte ein interdisziplinäres Wissenschaftlerteam 2016 im Wissenschaftsmagazin Nature fest, dass es noch zu wenige Analysen zu den (möglichen) Auswirkungen des Einsatzes von Algorithmen auf soziale, kulturelle und politische Bereiche gebe. Zivilgesellschaftliche Initiativen fordern zumindest eine bessere Nachvollziehbarkeit und ggf. Kontrolle von Algorithmen.

Ziel und Vorgehensweise
Im TAB-Projekt wird sich dem komplexen Themenfeld aus zwei Richtungen genähert: Die dynamischen, durch Algorithmen geprägten Entwicklungen werden sowohl in Bezug auf traditionelle als auch soziale Medien diskutiert. Im Mittelpunkt stehen die Einflüsse auf die Meinungsbildung. Den Ausgangspunkt bilden Literaturanalysen zu den technischen Grundlagen und zur Verwendung von Algorithmen in digitalen Medien, zur wissenschaftlichen Diskussion und zu möglichen politischen Handlungsinstrumenten. Die öffentliche Diskussion hierzu wird durch eine Analyse von Beiträgen in Presse und Rundfunk erfasst. Experteninterviews mit Fachleuten aus Wissenschaft und Praxis ergänzen die Herangehensweise.

Ausgewählte Aspekte sollen im Rahmen von Dialogelementen des Stakeholder Panel TA vertieft werden. Dazu werden Diskussionen in Fokusgruppen durchgeführt und Thesen generiert, beispielsweise zu den Fragen, welche Potenziale, Limitierungen, Chancen und Risiken Nutzende mit personalisierten Nachrichten verbinden. In einer Onlinebefragung sollen die Ergebnisse aus den Fokusgruppen validiert werden.

Das TAB knüpft mit diesem TA-Projekt auch an die TA-Vorstudie "Social Bots" an, in der sich mit den Auswirkungen von Social Bots u. a. auf die öffentliche Meinung beschäftigt wurde, also von Computerprogrammen, die darauf ausgerichtet sind, in sozialen Netzwerken maschinell erstellte Beiträge zu generieren, um so die öffentliche Diskussion zu beeinflussen.

Weitere Infos

TAB-Website:
Auf der Internetpräsenz des Büros für Technikfolgen-Abschätzung beim Deutschen Bundestag (TAB) stehen ebenfalls Informationen zum Projekt zur Verfügung:
www.tab-beim-bundestag.de/de/untersuchungen/u40000.html

Publikationen

  • 2018

  • Kluge, Jakob; Oertel, Britta; Evers-Wölk, Michaela (2018): Wie beurteilen junge Menschen personalisierte Onlinemedien?. Ergebnisse einer Repräsentativbefragung. Büro für Technikfolgen-Abschätzung beim Deutschen Bundestag. Berlin. (TAB-Sensor, 1).

    Wie beurteilen junge Menschen personalisierte Onlinemedien?. Ergebnisse einer Repräsentativbefragung

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