Flexible Fahrgemeinschaften für Berufspendler

Das Pilotprojekt "CARRIVA - Der Mitfahrclub" sollte den Stau auf den Straßen im Großraum Frankfurt verringern. Das innovative Vorhaben wurde eigens für die 60.000 Beschäftigten am Frankfurter Flughafen konzipiert und wurde von der Deutschen Lufthansa AG und der FRAPORT AG unterstützt. Der neuartige Mitfahrclub bot BerufspendlerInnen die Möglichkeit, flexibel individuelle Fahrgemeinschaften zu bilden. Jeder Pendler konnte sich registrieren lassen und sowohl selbst Mitfahrten anbieten als auch bei anderen zusteigen. Die Vermittlung der Fahrgemeinschaft erfolgte über das Handy und nutzte dabei ein innovatives Datenbankkonzept. Die Beteiligten konnten und können sich mit diesem Service Fahrtkosten und Nerven sparen, die Umwelt entlasten sowie neue Menschen aus dem Berufs- und Lebensumfeld kennen lernen.
Die Ergebnisse des Projektes Carriva erschienen 2012 in englischer Sprache im Springer Verlag © Springer Verlag
CARRIVA - Dynamische Vermittlung von Fahrgemeinschaften für Berufspendler am Frankfurter Flughafen über „Mitfahrclubs“
2007 - 2009
Bundesministerium für Verkehr, Bau und Stadtentwicklung

eNotion GmbH

Unterstützt von Fraport und Lufthansa

Beschreibung

Ziel des Vorhabens war es, einen relevanten Beitrag für ein innovatives, den Kfz-Straßenverkehr entlastendes, wirtschaftlich effizientes sowie ökologisch und sozial verträgliches Verkehrskonzept zu leisten.

Gegenstand des Projektes ist die Einführung und die praktische Erprobung eines Carpooling Modells für die Beschäftigten am Frankfurter Flughafen. Das Modell basiert auf der handygestützten Vermittlung von ad hoc Fahrgemeinschaften. Interessierte Berufspendler am Frankfurter Flughafen können sich über das Internet in einer Datenbank mit ihrer Handynummer und ihrer täglichen Fahrtroute registrieren lassen. Wird eine Fahrgemeinschaft gewünscht, können registrierte Berufspendler per Handy eine Systemanfrage auslösen, die sofort zu einer telefonischen Verbindung mit einem passenden Fahrer oder Mitfahrer führt. Einstiegsort und -zeitpunkt können dann bilateral vereinbart werden.

Der ökonomische Anreiz für Mitfahrgemeinschaften liegt darin, dass der Fahrer vom Mitfahrer eine Kostenbeteiligung erhält. Dieser finanzielle Transfer erfolgt automatisch bei erfolgreicher Vermittlung einer Mitfahrgemeinschaft. Die Erhöhung der PKW-Auslastung führt zu ökologischen Vorteilen in Gestalt von reduzierten Lärm und Schadstoffemissionen. Die Bildung einer Mitfahr-Community und die als Eigenorganisation angelegte Institutionalisierung des geschäftsführenden Mitfahrclubs können positive soziale Auswirkungen haben.

Das IZT hat die Federführung in der wissenschaftlichen Begleitung dieses Pilotprojektes. Kernaufgabe ist, die Akzeptanzerhöhung bei potentiellen Nutzern und Pioniernutzern. Dazu werden die bestehenden Akzeptanz- und Motivationsstrukturen sowie die Ersterfahrungen der Nutzer analysiert und zur Optimierung des Gesamtsystems sowie der weiteren Nutzerakquisition genutzt.

Theoretische Grundlagen bilden Erkenntnisse aus der Akzeptanz- und Partizipationsforschung. Für die Akzeptanzanalyse des Projektes werden qualitative und quantitative Instrumente der empirischen Sozialforschung eingesetzt, z.B. leitfadengestützte Interviews, Fragebögen, Lead-User Workshop. Auf dieser Grundlage wird eine Nutzungstypologisierung erstellt, die Basis für weitere Analyse darstellt. Als Ergebnis wird eine integrierte Roadmap erstellt.

Weitere Aufgaben der wissenschaftlichen Begleitforschung bestehen in einer Quantifizierung der Nachhaltigkeitseffekte. Dazu werden die Ressourcen- und Energieeinsparungen, Emissionsvermeidung, Kosteneinsparung sowie technische und nichttechnische Innovationseffekte mit ökobilanziellen Methoden abgebildet und bewertet. Ferner werden mögliche Übertragungsoptio­nen entwickelt. Dabei werden für die Übertragung besonders aussichtsreiche Mobilitäts­teilsysteme wie z.B. andere Großunternehmen, zentrale Park & Ride-Punkte an Agglomerationsräumen, andere räumlich zentral induzierte Pendlerströme usw. benannt und ihre für eine erfolgreiche Übertragung wirksamen Rahmenbedingungen beschrieben.

Die wissenschaftliche Begleitung schließt mit der Entwicklung und Anwendung einer differenzierten Verstetigung und Verbreitungsstrategie ab. Dabei kommen unterschiedliche Methoden der Veröffentlichung, Aufarbeitung und Verbreitung der gewonnenen Erkenntnisse zum Einsatz. Anvisiert werden dabei sowohl wissenschaftliche Fachexperten, Entscheider und Multiplikatoren als auch die breite Öffentlichkeit.

Das Projekt ist Teil der Förderinitiative „Mobilität 21“ des Bundesministeriums für Verkehr, Bau und Stadtentwicklung (BMVBS).

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Publikationen