LogMySelf - Diskurs mit jungen Menschen zur Selbstvermessung

Persönliche Gesundheitsdaten selbst messen, protokollieren und auch veröffentlichen: Unter dem Begriff "Lifelogging" wird dieses verbreitete Phänomen zusammengefasst. Das Diskursprojekt "LogMySelf" will 16-26-Jährige an Chancen und Risiken der Selbstvermessung heranführen und ihnen Kompetenzen im Umgang mit dem Lifelogging vermitteln. Gemessen werden nicht nur Daten wie Pulsfrequenz oder Joggingstrecke, sondern zunehmend auch emotionale Gefühlszustände wie Freude oder Traurigkeit.
Im Projekt werden dazu zunächst zwei Pilotseminare entwickelt. Anschließend soll eine Toolbox mit multimedialen Inhalten für schulische und außerschulische Bildungsbereiche zur Verfügung stehen. Gleichzeitig ist eine repräsentative Befragung unter Jugendlichen und jungen Erwachsenen geplant, um mehr Informationen über das Lifelogging in dieser Altersgruppe in Erfahrung zu bringen. Ein Wettbewerb soll die Sichtweise junger Menschen auf das Lifelogging bekannter machen.
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LogMySelf - Chancen, Risiken und Zukunft des Lifelogging und der Selbstvermessung im Diskurs mit jungen Menschen
2017 - 2019
Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF)

Kulturwissenschaftliches Institut Essen (KWI)

Beschreibung

Über das Projekt
Die digitale Durchdringung vitaler Lebensbereiche verändert das Verhältnis des Menschen zu seinem Körper. Das Lifelogging verstanden als Sammelbegriff für vielfältige Formen der digitalen Selbstvermessung, Protokollierung und Veröffentlichung persönlicher Gesundheitsdaten ist Ausdruck fundamentaler Wandlungsprozesse. Gemessen werden dabei mit Hilfe von Biosensoren, stetig kleiner werdenden mobilen Endgeräten und Apps beispielsweise Pulsdaten, Blutzucker, Schritte und Schlafqualität, aber zunehmend auch komplexe, emotionale Zustände wie Freude und Traurigkeit. Schleichend verändert sich so der Referenzrahmen unserer Wahrnehmungen. Christiane Woopen, langjährige Vorsitzende des Deutschen Ethikrates, stellte fest, dass sich hinter diesem Wandel sowohl das "Paradies des guten Lebens" als auch "höllische Gefahren" verbergen.

An dieser Stelle setzt das Projekt "LogMySelf: Chancen, Risiken und Zukunft des Lifelogging und der Selbstvermessung im Diskurs mit jungen Menschen" an. Geplant ist eine fundierte und sachliche Auseinandersetzung über die rechtlichen, sozialen und ethischen Dimensionen des Lifeloggings sowohl auf individueller und als auch auf gesellschaftlicher Ebene. Das Ziel des Projekts ist es, junge Menschen an den kritischen Diskurs zu Fragen der modernen Lebenswissenschaften am Beispiel von Selbstvermessung und Lebensprotokollierung heranzuführen und damit grundlegende Kompetenzen im Umgang damit zu vermitteln.

In einem ersten Schritt sollen zukunftsorientierte Reflexionsformen über neue Technologien des Lifeloggings in zwei Bildungszentren der Jugendfreiwilligendienste erprobt werden. Anschließend ist der Transfer in schulische und außerschulische Bildungsbereiche und die interessierte Öffentlichkeit geplant: durch digitale Informationskanäle wie YouTube in Kooperation mit erfolgreichen YouTubern, durch einen Blogger-Wettbewerb und die Ausarbeitung von politischen Forderungen durch den Jugendbeirat des Landes Baden-Württemberg.

LogMySelf-Toolbox
In Rahmen des Diskursprojekts "LogMySelf" ist eine speziell auf das Thema "Life-Logging" oder Selbstvermessung zugeschnittene Online-Seminartoolbox entwickelt worden, der der schulischen und außerschulischen politischen Bildung bereitgestellt wird. Adressaten sind junge Menschen und Lehrende. Die Toolbox beabsichtigt, die ethische Urteilsfähigkeit und die damit verbundenen Kompetenzen junger Menschen bis 27 Jahren, zum Thema Chancen und Risiken der Selbstvermessung zu fördern. Die Kompetenzen sollen durch Diskussionen während Projekten in der Schule oder in Seminaren in der außerschulischen politischen Bildung angeeignet und entwickelt.

Der Toolbox oder Werkzeugkasten zeichnet sich durch einen modularen Aufbau aus, der nach dem Vorbild des Storyboardkonzepts strukturiert wird und bezeichnet in diesem Fall die integrierte Visualisierung von Toolboxinhalten. Dazu werden Inhalte des Werkzeugkastens teilweise visuell aufbereitet und integriert. Demzufolge ist die Toolbox mit Materialien versehen, die außer im Format Text in den Formaten Grafik und Video dargestellt und zur Verfügung gestellt werden.

Lehrende der schulischen und außerschulischen Bildung, die sich im Unterricht oder in Bildungsprojekten mit dem Thema Selbstvermessung beschäftigen, haben mit der hier angebotenen Toolbox die Möglichkeit zur Unterstützung ihrer Aufgaben in der politischen Jugendarbeit die in der Toolbox enthaltenen Materialien zu nutzen. Die Materialien sind von dem Kulturwissenschaftlichen Institut Essen und dem Institut für Zukunftsstudien und Technologiebewertung entwickelt und erprobt worden in dem von beiden Instituten bearbeiteten Projekt "LogMySelf".

Aufbau der Toolbox
Die Toolbox ist modular aufgebaut und umfasst vier Module, die jeweils aus einer Einführung im Textformat, einer Graphic Recording im Grafik Format, einem Miniszenario im Textformat und einem oder mehreren Videos zusammengestellt sind.

Die Einführungen leiten in das Thema der Selbstvermessung ein: Für eine anschließende Gruppendiskussion sind einige Leitfragen formuliert worden.

Die Grafiken sind während der im Rahmen des LogMySelf-Projekts durchgeführten Seminare erstellt worden und geben die in den Diskussionen thematisierten Fragestellungen wieder.

Die Mini-Szenarien beleuchten Kontexte, wie Alltagssituationen, Orten oder Lebenslagen, in welchen man dem Thema Lifelogging im Jahr 2030 begegnen kann und welche Wertpräferenzen und Wertkonflikte zum Ausdruck kommen können. Die Mini-Szenarien dienen insbesondere der normativen Auseinandersetzung mit Zukunftsbildern des Lifeloggings.

Die Videos fassen die wichtigsten Aussagen der Expertinnen und Experten zu datenschutzrechtlichen, ethischen und sozialen Aspekten des Lifelogging zusammen.

Inhalte der Module zum Download

Dieses Projekt wird vom BMBF unter den Förderkennzeichen 01GP1744A/01GP1744B unterstützt.

Weitere Infos

Publikationen