Recycling im Zeitalter der Digitalisierung

Der Naturschutzbund Deutschland (NABU) beauftragte das IZT mit einer Studie zum qualitativ hochwertigen Recycling von Elektrokleingeräten wie Fernbedienungen, Smartphones, Tablets & Co. Denn derzeit landet in Deutschland über die Hälfte aller ausrangierten Elektrogeräte entweder im Hausmüll oder wird als Elektroschrott illegal exportiert. Gleichzeitig gelingt es bei den ordnungsgemäß getrennt gesammelten Altgeräten kaum, die darin verbauten Kleinstmengen kritischer Metalle und giftiger, flammgeschützter Kunststoffe zu recyceln. Das IZT soll Verbesserungspotenziale aufzeigen und anschließend rechtssichere Empfehlungen für ein hochwertigeres Recycling formulieren. Der NABU will die Ergebnisse der Studie in die Debatte um die anstehende Novelle des Elektro- und Elektronikgerätegesetzes (ElektroG) einfließen lassen.
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Recycling im Zeitalter der Digitalisierung: Spezifische Recyclingziele für Metalle und Kunststoffe aus Elektrokleingeräten im ElektroG: Regulatorische Ansätze.
2018 - 2019
Naturschutzbund Deutschland (NABU)

Ökopol Institut für Ökologie und Politik

Beschreibung

Der Naturschutzbund Deutschland (NABU) hat das IZT mit einer Studie zum qualitativ hochwertigen Recycling von Elektrokleingeräten beauftragt. Mit der Studie soll dem NABU eine wissenschaftlich fundierte Grundlage für die anstehende Novelle des Elektro- und Elektronikgerätegesetztes (ElektroG) an die Hand gegeben werden. Dazu wird die aktuelle Recyclingpraxis von Elektrokleingeräten analysiert, bestehende Defizite identifiziert und entsprechende Verbesserungspotenziale für ein materialorientiertes Recycling aufgezeigt. Diese Potenziale werden anschließend in praxistaugliche und rechtssichere Empfehlungen über verbindliche Zielvorgaben für ein hochwertiges Recycling überführt.

Weil beim bisherigen Recycling hauptsächlich Massenwerkstoffe wie z. B. Eisen, Aluminium oder Kupfer zurückgewonnen werden, nimmt diese Studie schwerpunktmäßig die sogenannten kritischen Metalle und flammgeschützte Kunststoffe in den Blick. Bei den kritischen Metallen handelt es sich um sehr unterschiedliche chemische Elemente wie seltene Erden oder Platingruppenmetalle, die meist als Kuppelprodukte nur in geringen Mengen gefördert werden. Ihre Gewinnung ist mit erheblichen ökologischen Schäden und teils gravierenden Menschrechtsverletzungen verbunden. Aufgrund ihrer zum Teil einzigartigen werkstofflichen Eigenschaften sind sie nur schwer ersetzbar, was ihre Verfügbarkeit zu einem strategischen Nadelöhr für die technologische Entwicklung digitaler Produkte macht. Allerdings ist ihr Recycling, wegen ihrer Vielfalt und wegen ihrer geringen Konzentration in zudem sehr vielen und sehr unterschiedlichen Geräten, stark erschwert.

Bei den Flammschutzmitteln, die in Kunstoffen von Elektrogeräte eingesetzten werden, handelt es sich ebenfalls um eine Vielzahl von Substanzen, die für Mensch und Umwelt sehr giftig sein können, weil sie Halogene wie Chlor oder Brom, aber auch Schwermetalle enthalten.

Im Mittelpunkt der Studie stehen mülltonnengängige Elektrokleingeräten aus privaten Haushalten. Obwohl diese Geräte im Zuge der Digitalisierung immer intelligenter werden und dadurch mehr Elektronik enthalten, wird nur knapp die Hälfte von ihnen getrennt gesammelt. Über die Hälfte landet dadurch entweder im Hausmüll oder wird als Elektroschrott illegal exportiert. Doch selbst die getrennt erfassten Elektroaltgeräte, wurden in den letzten 10 Jahren lediglich zu ¾ recycelt. Der verbleibende Rest wurde hauptsächlich thermisch verwertet oder beseitigt und weniger als 1% der getrennt gesammelten Altgeräte wurde wiederverwendet.  

Wie die getrennte Erfassung erhöht, die Wiederverwendung gestärkt, Schadstoffe entfernt und ein stofflich hochwertiges Recycling sichergestellt werden kann, steht daher im analytischen Mittelpunkt der Studie. Diese Verbesserungsmöglichkeiten werden anschließend einer rechtlichen Überprüfung unterzogen, um im Ergebnis zu treffsicheren Empfehlungen für ihre konkrete Umsetzung im Rahmen der bestehenden rechtlichen Rahmenbedingungen zu gelangen. Insbesondere diese Überführung der identifizierten Verbesserungspotentiale in rechtssichere Empfehlungen erfolgt in enger Kooperation mit Ökopol, dem Hamburger Institut für Ökologie und Politik.

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