Ortungstechnologien für eine offene Gesellschaft

Die Debatten zu Projektbeginn 2010 um "google street view" und das iPhone der Firma Apple belegten: Das Thema "Geodaten und Persönlichkeitsschutz" wird immer wichtiger. Technologien und Verfahren, die die Ortung von Personen oder personenbeziehbaren Sachen ermöglichen, standen im Mittelpunkt der Studie "Ortungstechnologien". Auf der Grundlage einer vorausschauenden Erforschung und Bewertung der Chancen und Risiken konnte das Projekt beispielsweise in der Schweiz zur gesellschaftlichen Meinungsbildung beitragen und politische Entscheidungen unterstützen.
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Ortungstechnologien
2010 - 2012
TA-Swiss

Prof. Lorenz Hilty, EMPA, St. Gallen

Beschreibung

Der Einsatz von Ortungstechnologien nimmt täglich zu. Verschiedene Anwendungen mit Ortungstechnologien haben den Vorteil einer raschen Geopositionierung. Gleichzeitig lösen sie aber auch unterschiedliche kontroverse Diskussionen aus, wie zum Beispiel wegen der Gefährdung der Privatsphäre oder eines möglichen Missbrauchs. Zurzeit sind diese Anwendungen, die in der Schweiz und im Ausland bereits eingesetzt werden, Gegenstand von zahlreichen Debatten.

Ortungstechnologien ist die Bezeichnung für verschiedene Technologien, mit Hilfe derer sich Personen oder Objekte im Raum lokalisieren lassen. Zu diesen Technologien gehören u. a. die satellitengestützte Positionsbestimmung, die Videoüberwachung oder die Auswertung von drahtlosen telefonischen oder digitalen Übertragungen.

Ortungstechnologien bereichern unser Leben mit zahlreichen nützlichen Anwendungen. Im Straßenverkehr beispielsweise helfen Navigationsgeräte den Verkehrsteilnehmern, sich einfacher fortzubewegen und ermöglichen es den Unternehmen, ihre logistischen Abläufe zu verbessern. Außerdem erweisen sich Geolokalisierungssysteme bei der Suche nach Unfallopfern als sehr wertvoll, insbesondere in den Bergen. Trotz zahlreicher Vorteile werfen die Ortungstechnologien ethische und juristische Fragen auf, vor allem in Bezug auf den Schutz der Privatsphäre.

In dieser interdisziplinären Studie im Auftrag der TA-SWISS und in Kooperation mit Prof. Dr. Lorenz Hilty, EMPA St. Gallen, sollen Chancen und Risiken der Ortungstechnologien für Wirtschaft, Arbeitswelt und Freizeit abgeschätzt werden. Die folgenden Fragen werden erörtert:

  • Welche Ortungstechnologien stehen derzeit zur Verfügung – in der Schweiz und in anderen Ländern?
  • Welche Entwicklungen sind mittelfristig zu erwarten?
  • Bergen die Ortungstechnologien Konfliktpotenzial? Welche Konflikte könnten sich ergeben?
  • Welches sind die Hauptakteure im Bereich Ortungstechnologien und welches sind ihre Beweggründe?
  • Welcher gesetzliche Rahmen regelt die Anwendung der verschiedenen Ortungstechnologien?
  • Welche wirtschaftlichen Interessen und Auswirkungen sind mit den Ortungstechnologien verbunden?
  • Welche Entwicklungen im Bereich Ortungstechnologien sind aus Sicht der Bevölkerung wünschenswert?

Zuerst soll mit Hilfe einer Analyse von aktuellen Forschungsergebnissen eine Übersicht über die bereits heute verfügbaren Ortungstechnologien erstellt werden. Diese Analyse soll ebenfalls potenzielle Konfliktpunkte aufzeigen. Zur Vervollständigung der Daten werden Fachpersonen beigezogen.

Auf Grund der Resultate dieser Analyse und eines vordefinierten Kriterienkatalogs werden zwei bis drei Anwendungsbereiche ausgewählt, die genauer untersucht werden sollen. Die verschiedenen Akteure und ihre Beweggründe sowie der Kontext, in dem sich die Anwendungen entwickeln, werden untersucht. Schließlich werden für die ausgewählten Bereiche Szenarien mit einem Zeithorizont bis 2020 aufgestellt.

Die verschiedenen Szenarien werden anschließend in mehreren Fokusgruppen diskutiert. Ziel dieser Diskussionen ist festzustellen, wie die Bürgerinnen und Bürger die möglichen Entwicklungen beurteilen. Erscheinen sie ihnen wünschenswert? Unter welchen Bedingungen sind sie bereit, diese neuen Technologien anzunehmen?

Schließlich wird im Rahmen dieser Studie ein Maßnahmenkatalog ausgearbeitet, um einerseits möglichst stark von den Vorteilen der Ortungstechnologien profitieren zu können, andererseits um deren Risiken zu begrenzen.

Publikationen