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Zukunftsforschung im Spannungsfeld von Visionen und Alltagshandeln. Colloquium anlässlich des 65. Geburtstages von Prof. Dr. Rolf Kreibich

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Aus dem Vorwort von Dr. Karlheinz Steinmüller:

In einer Zeit, die von dramatischen Umbrüchen gekennzeichnet ist, benötigen Gesellschaft, Staat und Wirtschaft mehr denn je ein langfristiges Orientierungs- und Handlungswissen. Die Zukunftsforschung ist in besonderer Weise herausgefordert, nicht allein mögliche Zukünfte zu erkunden, sondern auch im Sinne einer nachhaltigen Entwicklung wünschbare Zukünfte aufzuweisen. Sie muss nach gangbaren Wegen in eine Welt sozialer und ökologischer Gerechtigkeit sowohl zwischen den heute lebenden Menschen als auch zwischen heutigen und zukünftigen Generationen suchen.

Das Colloquium "Zukunftsforschung im Spannungsfeld von Visionen und Alltagshandeln", das das IZT am 6. Dezember 2003 aus Anlass des 65. Geburtstags seines Gründers und Direktors, Prof. Dr. Rolf Kreibich, durchführte, stellte sich diesem Anspruch.

Die Colloquiumsbeiträge umreißen das ausgedehnte Spektrum der Zukunftsforschung. In seinem Referat "Zukunftsforschung im Spannungsfeld von Visionen und Alltagshandeln - aus physikalisch-philosophischer Perspektive" legt der Münchener Physiker Prof. Dr. Hans-Peter Dürr naturwissenschaftliche und philosophische Grundlagen der Zukunftsforschung dar und verweist dabei auf den grundsätzlichen Paradigmenwechsel weg von einem deterministischen Weltbild mit einer prognostizierbaren Zukunft hin zu einer Sichtweise, in der die Zukunft offen ist und nicht einfach passiert, sondern gestaltet werden kann. Prof. Dr. Hans Georg Graf von der Universität St. Gallen, der das SGZZ (Sankt Gallener Zentrum für Zukunftsforschung) gründete und lange Jahre leitete, geht in seinem Beitrag über "Zukunftsforschung und Management" nicht nur auf den Bereich der Wirtschaft ein; einen umfassenden Managementbegriff voraussetzend, lotet er die Relevanz von Zukunftsforschung für jedes längerfristige Handeln aus und unterstreicht dabei insbesondere die Rolle der Szenariomethode. Die Ökologische Modernisierung der Industriegesellschaft ist das Thema des Wirtschafts- und Sozialwissenschaftlers Prof. Dr. Udo E. Simonis vom Wissenschaftszentrum Berlin für Sozialforschung (WZB). Als einer der Pioniere der wissenschaftlich begründeten Umweltpolitik befasst sich Prof. Simonis mit dem ökologischen Strukturwandel der Wirtschaft, der Ökologisierung einzelner Sektoren sowie der industriellen Ökologie. Er sieht in ökologischen Begriffen und Natur-Analogien ideale Ansatzpunkte zum Erkennen sozioökonomischer Fehlentwicklungen und zum Kommunizieren von Therapievorschlägen.

In ihrer Gesamtheit spannen die Beiträge einen doppelten Bogen: von den Grundlagen der Zukunftsforschung hin zu konkreten Handlungsvorschlägen und von der Vision einer zukunftsfähigen Welt hin zum pragmatischen Alltagshandeln.

  • Dürr, Hans-Peter; Graf, Hans Georg; Simonis, Udo E. und Kreibich, Rolf (2004): Zukunftsforschung im Spannungsfeld von Visionen und Alltagshandeln. Colloquium anlässlich des 65. Geburtstages von Prof. Dr. Rolf Kreibich. WerkstattBericht Nr. 64. Berlin: IZT – Institut für Zukunftsstudien und Technologiebewertung. Download (240.8 KB)