Abstract

Dieser Beitrag untersucht den erkenntnistheoretischen Wert nicht-religiöser mystischer Erfahrungen. Die nicht-religiöse Perspektive erweitert die bisherige Diskussion über mystische Erfahrungen, die überwiegend im Kontext theologischer Fragestellungen oder aus religionsphilosophischer Sicht geführt wird.

Im Mittelpunkt steht die Frage, welche Form von Wissen durch nicht-religiöse mystische Erfahrungen vermittelt werden kann. Während die Möglichkeit, durch solche Erfahrungen propositionales Wissen über die Außenwelt zu erlangen, kritisch betrachtet wird, liegt der Fokus auf einer anderen Form des Wissens: dem Erfahrungswissen.

Darüber hinaus wird untersucht, inwiefern nicht-religiöse mystische Erfahrungen mit einem Gefühl der Betroffenheit gegenüber einem sehr allgemeinen Gegenstand verbunden sind, etwa gegenüber der Existenz, der Welt oder der Realität als Ganzem. Die bewusste Wahrnehmung eines solchen Gefühls ist selten. Es handelt sich um eine Art Hintergrundemotion, die sich auf etwas sehr Allgemeines richtet und vergleichsweise weit von der persönlichen Lebensführung und dem eigenen Wohlergehen entfernt ist. In mystischen Erfahrungen dieser Art wird diese Emotion unmittelbar erfahrbar.

Das auf diese Weise gewonnene Erfahrungswissen besteht darin, unmittelbar zu erfassen, wie sich eine umfassende Betroffenheit gegenüber der Existenz als Ganzem anfühlt. Sowohl die Erkenntnis über die Qualität dieses Erlebens als auch das Erleben selbst können als wertvoll betrachtet werden.

Autor*innen
Bledow, Nona